Nachhaltigkeit
Impulse für nachhaltige Städte und Gemeinden aus der Zentralschweiz
Schnee und Eis stellen den Verkehr jedes Jahr vor grosse Herausforderungen. Während viele noch schlafen oder die Feiertage geniessen, stehen die Mitarbeitenden des Winterdienstes bereits im Einsatz.
Kantonsingenieur Marc Amgwerd erklärt im Interview, wie der Winterdienst im Kanton Zug organisiert ist, nach welchen Kriterien geräumt wird und warum Einsätze an Heiligabend keine Seltenheit sind.
Wie startet ein Einsatztag für den Winterdienst, wenn Schnee oder Eis angekündigt ist? Stehen Sie rund um die Uhr bereit, bis die Fahrzeuge ausrücken?
Die im Pikettdienst eingeteilten Mitarbeitenden des kantonalen Strassenunterhaltsdienstes sind das ganze Jahr während 24 Stunden innert maximal 30 Minuten am Einsatzort. Das gleiche Vorgehen gilt im Winter für die extern beauftragten Mitarbeitenden der privaten Räumungsdienste, die den Strassenunterhaltsdienst unterstützen.
Nach welchen Kriterien werden die Strassen geräumt und gestreut? Welche Wege haben Vorrang, und wie stellen Sie sicher, dass die Verkehrsachsen möglichst schnell passierbar bleiben?
Alle Zuger Kantonsstrassen sind gut frequentiert und auf 95 Prozent der Gesamtstrecke verkehren Busse des öffentlichen Verkehrs. Aus diesen Gründen werden sämtliche Kantonsstrassen gleichbehandelt.
«Im Durchschnitt werden auf den Zuger Kantonsstrassen 1450 Tonnen Salz pro Jahr gestreut.»
Wie erreichen Sie auch kleinere Quartiere, abgelegene Wege oder enge Gassen – gibt es besondere Strategien, damit wirklich überall gestreut und geräumt wird?
Das Einsatzgebiet umfasst die Kantonsstrassen mit den Geh- und Radwegen innerhalb und ausserhalb der Zuger Ortschaften. Insgesamt misst das Kantonsstrassennetz 131 Kilometer. Der Winterdienst auf den Gemeindestrassen ist Sache der Kommunen. Wird im Winter auf den Kantonsstrassen gebaut, verlangen wir eine minimale Durchfahrtsbreite, um die Strassen und Trottoirs zu unterhalten.
Wie wird mit Trottoirs und Gehwegen verfahren? Werden sie noch händisch geschaufelt oder kommen dafür inzwischen spezielle Fräsen zum Einsatz?
95 Prozent der Geh- und Radwege entlang der Kantonsstrassen können mit Kommunalfahrzeugen gepflügt und gesalzen werden. Schneemaden bei Fussgängerübergängen und bei Veloauf- und Veloabfahrten müssen immer noch von Hand entfernt und abgestreut werden.
Wie viele Tonnen Salz, Kies oder Splitt werden in einem durchschnittlichen Winter eingesetzt, um die Strassen und Wege sicher zu halten?
Alle Zuger Kantonsstrassen inklusive Geh- und Radwege werden schwarz geräumt. Als Streumittel verwenden wir Natriumchlorid (Salz). Gesalzen wird nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Bei sehr tiefen Temperaturen wirkt Salz nur beschränkt. Ab zirka minus 15 Grad Bodentemperatur muss deshalb Calziumchlorid beigemischt werden. Dies war aber in den vergangenen Jahren nicht nötig. Im Durchschnitt werden auf den Zuger Kantonsstrassen 1450 Tonnen Salz pro Jahr gestreut.
Setzen Sie bei schwierigen Stellen spezielle Hilfsmittel ein – etwa Schneeschaufeln vorne an den Fahrzeugen oder andere Tricks –, um Engstellen oder besonders rutschige Abschnitte zu bewältigen?
Bei grossen Schneemengen muss der zum Rand hin gepflügte Schnee mit Schneeschleudern auf Lastwagen aufgeladen oder weggeschleudert werden.
Gibt es Situationen, in denen externe Kräfte oder zusätzliches Personal aufgeboten werden, um besonders stark belastete Verkehrsachsen zu sichern?
Nur mit eigenem Personal könnten wir den Winterdienst auf den Kantonsstrassen nicht bewältigen. Deshalb werden neben den 25 Mitarbeitenden und einem Lernenden des kantonalen Werkhofs auch private Unternehmungen eingesetzt. Zudem funktioniert die Zusammenabeit mit den Gemeinden sehr gut.
Welche Momente oder besonderen Herausforderungen prägen die Arbeit im Winterdienst – gibt es Erfahrungen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Tage mit heftigem Schneefall sind eine Herausforderung. Bei länger andauerndem Schneefall arbeiten die beauftragten Unternehmungen und der kantonale Strassenunterhaltsdienst fast rund um die Uhr im Zweischichtbetrieb. Besonders in Erinnerung bleiben Einsätze zum Beispiel an Heilig Abend, dann wenn alle Weihnachten feiern, und wir im Einsatz stehen.
Wie läuft die Zusammenarbeit im Team, insbesondere nachts oder frühmorgens? Gibt es Routinen, die helfen, den Einsatz effizient und sicher zu gestalten?
Grundlage für den Winterdienst auf den Kantonsstrassen bildet ein Konzept, das Vorgaben, Einsatzplanung und Fahrrouten klar regelt. Der Pikett-Einsatzleiter entscheidet, welche Einsätze und welche Massnahmen im Einzelfall wo nötig sind. Das gilt sowohl für die Tages- als auch für die Nachteinsätze.
Michael Schwegler
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